Interview mit Njeri Weth

Njeri Weth

G E S U N G E N E   H E R Z E N S G E B E T E 

Die in Düsseldorf lebende Njeri Weth ist ausgebildete Opernsängerin und singt heute Contemporary Gospel und Eigenkompositionen, die sie Soulpictures nennt. Sie interpretiert ihre Kompositionen mit Einflüssen aus Soul, Gospel und Spiritual. Njeri hat unter anderem mit Andrae Crouch (USA), Edwin Hawkins (USA), Bob Singleton (USA), Tore W. Aas (Norwegen), Joakim Arenius (Schweden), David Thomas (GB) und Helmut Jost (D) gearbeitet. Anfang des Jahres hat sie die Besucher in der Tonhalle beim Konzert „Gospeltime 2006“ überzeugt. Njeri wird dieses Jahr in Düsseldorf, wie schon 2004 in Bochum, beim Gospelkirchentag als Solistin mitwirken.

Wie bist du zur Gospelmusik gekommen?

Als ich mit Gospel in Berührung kam, habe ich gerade klassische Musik mit Schwerpunkt Operngesang studiert. Das war vor sechs Jahren. Vor meinem Studium habe ich Soul gesungen. Als ich über einen Bekannten zu einem Gospelchor gekommen bin, war das wie eine Rückkehr zu meinen Soul-Ursprüngen, denn musikalisch ist es derselbe Stil. Die Lieder haben halt andere Inhalte.

Was ist anders im Vergleich zur klassischen Kirchenmusik?

In der Gospelmusik kann ich mir alle interpretatorischen Freiheiten nehmen, das heißt, ich nehme mir Zeit, die Musik auf die Menschen wirken zu lassen. In der Klassik singt man notierte Musik, da muss das Timing stimmen und die Treue zum Komponisten steht im Vordergrund. Das ist auch wunderschön. Als ich Ostern Dvorak gesungen habe, hat mir das auch sehr viel Freude gemacht.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Gospelmusik moderner und dadurch näher am Puls der Zeit ist. Die Rhythmen und die gängigen Harmonien sind bekannt. Mit der klassischen Musik erreicht man oft nur die Traditionalisten, die die Musik auch kennen. Das ist schön und gut. Aber Gospelmusik spricht mehr Generationen an als die Klassik und sie verbindet die Generationen und die Nationen der Welt miteinander. Ich habe im Mai mit vielen fremdsprachigen Christen bei dem Projekt „World Camp“ Gospel in vielen verschiedenen Sprachen gesungen: zum Beispiel in französisch, finnisch, lingala, portugiesisch. Zur WM feiern wir in Spangenberg bei Kassel ein großes internationales Gospelfest

Welche Bedeutung hat der Inhalt der Gospellieder für dich?

Als die den Gospel „I´m gonna keep on singing“ von Andrae Crouch gesungen habe, habe ich für mich realisiert, dass das, was ich singe, eine Bedeutung haben kann. Viele Lieder, die ich davor gesungen habe, haben sich für mich leer angefühlt. Ich musste Arien üben und fand das langweilig, in den Soul-Songs ging es immer um die Beziehung zweier sich liebender Menschen.

Aber als ich Gospel gesungen habe, und speziell diesen Gospel, da habe ich gemerkt, dass es um die Liebe Gottes zu uns Menschen geht. In dem Moment war für mich klar, dass ich davon singen möchte. Ich möchte, dass andere davon erfahren, dass es diese Liebe Gottes gibt. Es hat für mich zum ersten Mal Sinn gemacht, für Menschen zu singen. Vorher hatte ich eine schöne Stimme, es klang gut, alle waren zufrieden, aber ich selber habe mich immer gefragt, warum ich eigentlich singe.

Ich möchte betonen, dass ich Gospel nicht singe, weil die Musik gerade „in“ ist. Die Gospelszene boomt. Ich finde es gut, dass es so viele sangesfreudige Menschen gibt und dass durch die Gospelmusik wieder mehr Leute in die Kirche kommen. Das befürworte ich. Aber es gibt auch so eine Art Wettbewerb. Da geht es gar nicht mehr um den Inhalt, sondern um die Qualität des Vortrages. Das ist schade. Ich persönlich höre auch gerne jemandem zu, der vielleicht nicht perfekt singen kann, der aber hinter dem steht, was er singt. Jemand, der sehr virtuos singen kann, dem aber Gott egal ist und der Gospel nur singt, weil er damit gut Geld verdienen kann, dem fehlt ein entscheidender Aspekt bei der Interpretation der Gospellieder. Ich finde das schade, weil ich persönlich so viel mit der Musik verbinde. Ich singe Gospel, weil sie mir aus dem Herzen sprechen, ich kann viele Musikstile miteinander verbinden, was ich in der Klassik nicht kann, ich habe die Möglichkeit, aktuelle Themen anzusprechen und den Menschen nahe zu sein. Das ist das wunderbare an der Musik.

Bist du über die Gospelmusik gläubig geworden?

Ich war ein sehr gläubiger Mensch, habe dann als Teenager Gott aus meinem Leben ausgesperrt, habe ihn aber in meinem Herzen immer gesucht. Da ich immer verstehen will, was ich singe, habe ich die Texte der Gospellieder übersetzt und mich sehr intensiv damit auseinander gesetzt. Die meisten Texte handeln von Glaubenserfahrungen mit Gott, diese haben mich tief berührt. Dadurch und durch Gespräche mit anderen Menschen habe ich sehr viel über Gott nachgedacht. Die Gospellieder, die ich vor sechs Jahren kennen gelernt habe, sind Herzensgebete für mich geworden und dadurch habe ich mich Gott immer sehr nahe gefühlt und bin ihm immer näher gekommen.

Du schreibst selber auch Lieder. Was lösen deine Lieder bei deinen Zuhörern aus?
Eines meiner Lieder heißt „Mammy“, ein a-cappella-Stück, das inhaltlich ein Gebet ist. Dieses Lied habe ich während einer Trauerfeier gesungen. Die Witwe sagte mir hinterher, dass sie durch mein Lied ruhig geworden sei und die Kraft bekommen hätte, die schwierige Situation auszuhalten. Das war ein starkes Feedback, das mich sehr berührt hat. Wenn ich Gospellieder mit kontemplativen Charakter singe, dann sagen die Zuhörer, dass sie beten, zur Ruhe kommen und inne halten können. Seit zwei Jahren veranstalte ich aus diesem Grund die so genannte „Trostkonzerte - Lichter in dunklen Stunden“.

Wenn ich peppige Lieder singe, dann freuen sich die Menschen über die Virtuosität meiner Stimme. Generell habe ich das Gefühl, dass die Menschen sich wohl fühlen, wenn ich gesungen habe. Sie fühlen sich in den Arm genommen. Wenn ich das erreiche, dann weiß ich, warum ich singe.

Das Interview führte Elke Wisse.

Links
www.njeri.org
www.worldcamp.de

Konzerte mit Njeri Weth:
World Camp in Spangenberg: 9. Juni – 9. Juli 2006
Gospelkirchentag in Düsseldorf: 1. und 3. September 2006
Gospelchurch in Witten, Saalbau: 1. Oktober 2006
Trostkonzerte unter anderem in Kassel, Essen, Witten, Düsseldorf: Oktober und November 2006


GOSPELchurch am 1. Dezember

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